3.2. Das Zonensystem

Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Das Zonensystem unterteilt den Verlauf der Tonwerte von Schwarz bis Weiß in elf Zonen. Der Schritt von einer Zone zur benachbarten entspricht einer Verdoppelung beziehungsweise Halbierung der Helligkeit. In der Fotografie bezeichnet man einen Wert, der die Helligkeit verdoppelt oder ­halbiert, als Lichtwert (LW).

Zonensystem
Zonensystem
  1. Zone 0 | Absolutes Schwarz; Unterbelichtung ohne geringste Zeichnung. ­Solche Flächen sind praktisch frei von Information, und es lässt sich auch durch Nachbearbeitung keine Struktur wiederherstellen.
  2. Zone 1 | Optisch schwarzer Tonwert, geringe Spuren von Zeichnung, allerdings für das menschliche Auge nicht zu erkennen. Durch Entwicklung lässt sich diese Zeichnung jedoch sichtbar machen.
  3. Zone 2 | Beinahe schwarzer Tonwert, mit für das menschliche Auge erkennbarer Zeichnung . Beispiel : Gefieder eines Raben.
  4. Zone 3 | Dunkler Tonwert mit deutlich sichtbarer Zeichnung. Beispiel : im Schatten liegende Wälder, frisch asphaltierte Straße.
  5. Zone 4 | Tendenziell dunkler Tonwert mit klaren, erkennbaren Details. Beispiel : beschattete Haut, dunkler Stein.
  6. Zone 5 | Mittlerer Tonwert. Beispiel : südländischer Hautton, verwittertes Holz, mittelgrauer Stein, Schotter und Kies.
  7. Zone 6 | Tendenziell heller Tonwert. Beispiel : trockener Fels, heller Stein und trockener Sand, Schnee im Schatten, Handinnenfläche bei praktisch allen Menschen.
  8. Zone 7 | Heller Tonwert mit deutlicher Zeichnung. Beispiel : weißgraues Haar, Gefieder einer Hausgans, verwitterter Kalkanstrich.
  9. Zone 8 | Sehr heller Tonwert. Beispiel : Sonnen beschienener Schnee, in dem noch die Schneekristalle zu erkennen sind.
  10. Zone 9 | Beinahe Weiß ohne erkennbare Zeichnung. In der Bildbearbeitung am Computer lässt sich aus diesen Flächen wieder Farbe und Zeichnung sichtbar machen.
  11. Zone 10 | Reines Weiß; Überbelichtung. Aus Flächen der Zone 10 lässt sich auch mittels Nachbearbeitung keine Farbe oder Zeichnung restaurieren.

Natürlich sind Angaben wie ›dunkler Stein‹ und ›Felsen‹ sehr ­relativ. Die Beispiele können jedoch helfen sich eine ungefähre Vorstellung der genannten Tonwerte zu machen. Tonwert bezieht sich dabei nicht nur auf Grautöne, sondern auf den Helligkeitswert jedes beliebigen Farbtons. Das kann man auch in Abbildung unten sehen, wo ich neun der elf Zonen in einem Bild gekennzeichnet habe.

Zonen im Bild
Mehrere Zonen in einem Bild

Kontrastumfang

Der Kontrastumfang unserer natürlichen Umwelt umfasst etwa zwanzig Schritte der Verdoppelung beziehungsweise Halbierung der Helligkeit (= 20 Lichtwerte beziehungsweise 21 Zonen) vom tiefsten Schwarz ➀ einer Höhle tief unter der Erde bis zum blendenden Weiß ➁ der Sonne. Das menschliche Auge hingegen kann lediglich zehn Lichtwerte (11 Zonen) auf einmal wahrnehmen ➂.

Zonen Licht und Wahrnehmung ➀–➁ Kontrast der natürlichen Umwelt vom absoluten Schwarz bis zu reinem Weiß;
➂ Kontrastumfang der menschlichen Wahrnehmung;
➅ Menschliche Wahrnehmung an helle Umgebung angepasst;
➆ Menschliche Wahrnehmung an dunkle Umgebung angepasst;
➇ Kontrastumfang einer Digitalkamera und einer Raw-Datei;
➈ Kontrastumfang einer JPEG-Datei;
➉ Kontrastumfang des Vierfarbendrucks;

Das heißt, bei mittlerer Helligkeit sehen wir Schwarz, was messtechnisch nur ein dunklerer Tonwert ist ➃, und Weiß, was tatsächlich nur einem hellen Tonwert entspricht ➄. Ist unser ­Sehsystem gefordert dunklere Tonwerte zu erkennen, muss sich die ­Pupille erweitern, um den Lichteinfall zu drosseln, wodurch sich ­unser Kontrast­umfang in den dunklen Bereich verschiebt ➅. Um­gekehrt muss sich die ­Pupille verengen, um hellere Bereiche wahrnehmen zu können, und den Kontrastumfang in den hellen Bereich verschieben ➆.

Analoger Schwarzweiß-Negativfilm entspricht etwa dem Kontrast­umfang der menschlichen Wahrnehmung ➂. Digitalkameras sollen zehn bis zwölf Lichtwerte erreichen können ➇. Im JPEG-­Format stehen Ihnen etwa acht Lichtwerte zur Verfügung ➈. Fotografieren Sie hingegen im RAW-Format, dann können Sie, je nach Entwicklungssoftware, einen guten Teil des größeren Kontrastumfangs der Kamera ➇ nutzen, und Informationen, die in den Schatten unsichtbar sind, lassen sich in der Nachbearbeitung am Computer wieder sichtbar machen, die durch JPEG nicht aufgezeichnet würden. Noch kleiner ist der ­Kontrastumfang im Vierfarbendruck, wo er auf etwa fünf Lichtwerte sinkt ➉.

Nehmen wir an, Sie fotografieren eine Landschaftsaufnahme mit der Sonne direkt im Bildausschnitt und einem Tunnel, dem Sie geradewegs tief in den Schlund blicken können. Ihr Motiv beinhaltet also sowohl das dunkle Ende des natürlichen Kontrastumfangs ➀, als auch das helle ➁. Die Kamera kann aber bestenfalls zwölf der zwanzig Lichtwerte mit einer einzigen Aufnahme aufzeichnen. Wenn Sie eine mittlere Einstellung wählen, dann wird alles, was dunkler als der Kontrastumfang des Bildsensors ist, unterbelichtet und schwarz, und alles, was heller als der Kontrastumfang ist, überbelichtet und weiß.

Aber was hilft dieses Zonensystem nun konkret in der Praxis? Gibt es an Ihrer ­Kamera einen ein Schalter, um die richtige Zone einzustellen? Ja und nein. Zwar findet sich so Schalter an keiner mir bekannten ­Kamera, doch die Automatik Ihrer ­Kamera zielt bei den Belichtungseinstellungen in der Regel auf mittlere Helligkeit ab, also Zone 5. Und damit werden wir uns im nächsten Artikel befassen.

Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
Buch: 29,90; E-Book: 24,90
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3 Gedanken zu „3.2. Das Zonensystem“

  1. „Ist unser ­Sehsystem gefordert dunklere Tonwerte zu erkennen, muss sich die ­Pupille verengen, um den Lichteinfall zu drosseln, wodurch sich ­unser Kontrast­umfang in den dunklen Bereich verschiebt ➅. Um­gekehrt muss sich die ­Pupille erweitern, um hellere Bereiche wahrnehmen zu können, und den Kontrastumfang in den hellen Bereich verschieben“

    Verflixt, mein Pupille macht das genau anders herum…

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