1.8 Das Objektiv – zentrales Bindeglied zu guten Ergebnissen

Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Es wird in diesem Artikel, so wie generell hier in der Serie und im ganzen Blog, etwas Nikon-lastig. Das liegt vor allem daran, dass ich selbst mit Nikon SLR fotografiere und darüber am objektivsten schreiben kann. Die meisten Objektive die ich hier erwähne und zeige hatte ich selbst schon in Verwendung. Das alles soll aber andere Marken nicht diskriminieren.

Werde ich nach einem Rat zum Kamerakauf gefragt, gebe ich eine doppelte Antwort: Ich persönlich habe mich bewusst für Nikon entschieden und habe auch objektive Argumente dafür. Aber alle Hersteller kochen nur mit Wasser und was für mich optimal ist, muss dem Anderen noch nicht passen. Am Besten zu einem Händler gehen, der mehrere Marken führt und verschiedene Modelle verschiedener Marken in die Hand nehmen, sich ausgiebig damit befassen und sich dafür entscheiden, was einem am besten liegt, was einem das beste Gefühl vermittelt.

Obschon ich mich beim DSLR-System für Nikon entschieden habe, finde ich die derzeit interessantesten Kompaktkameras die PowerShot S95 von Canon und die Lumix LX-5 von Panasonic. Noch interessanter als kompakten Ausbau zur großen SLR: Lumix GF2 und Fuji X100. So sehr ich von Nikon DSLR-Kameras begeistert bin, im kompakten Bereich sehe ich dort im Moment kein Modell, das meine Wünsche und Vorgaben tadellos erfüllt.

Soviel vorweg, für alle, die sich hier etwas zu wenig repräsentiert fühlen, weil sie mit einer anderen Marke als Nikon fotografieren (mehr über meine Meinung zu Marken-Fetischismus habe ich im Artikel ›Tee oder Kaffee‹ geschrieben). Jetzt aber zurück zum eigentlichen Thema:

Objektive

Die richtige Kamera ist wichtig um Spaß an der Fotografie zu haben (siehe auch ›Fotografische Genres und die geeignete Kamera‹). Mindestens ebenso wichtig für gute Resultate – wenn nicht sogar noch wichtiger – ist das passende Objektiv. Zwei Kriterien sind ausschlaggebend bei der Auswahl des passenden Objektivs.

Nur die besten Objektive für gute Kameras | Zum Einen ist das natürlich die Qualität der Optik. Eine sehr gute Kamera mit hoher Bildauflösung bringt gar nichts, wenn die eingesetzten Objektive nicht in der Lage sind Motive in ausreichender Schärfe und Qualität an den Sensor zu liefern. Hochauflösende Kameras mit 16 oder 25 Megapixel erzeugen in Kombination mit mittelmäßigen Objektiven keine besseren Bilder, sondern nur größere Dateien. Wer mit einem Gerät mit solchen Auflösungen liebäugelt sollte für Objektive vierstellig rechnen – zumindest bei Zoomobjektiven.

Ohne passende Objektive erzeugt mehr Auflösung lediglich größere Dateien.

Zum Anderen ist, neben der Qualität, natürlich auch und vor Allem die Art des Objektivs von zentraler Bedeutung, also ob Weitwinkel-, Normal- oder Teleobjektiv, ob Festbrennweite oder Zoom.

Es gibt spezielle Objektive für das Fotografieren ganz kleiner Motive, die sogenannte Makroobjektive. Normale Objektive verlangen bei Spiegelreflexkameras in der Regel einen gewissen Mindestabstand zum Motiv. Sie können nicht auf eine Distanz von zwei, drei oder zehn Zentimetern scharf stellen. Makroobjektive erlauben sehr viel geringere Abstände und niedrige Abbildungsmaßstäbe. Damit lassen sich dann – je nach Objektiv – auch Ameisen formatfüllend ablichten. Der Kompaktkamera-Fotograf muss sich darüber weniger den Kopf zerbrechen. Sein Objektiv ist bereits fix an der Kamera montiert und sehr oft erlaubt es Abstände von unter zehn Zentimeter.

Es gibt noch eine ganze Reihe an anderen Arten von Objektiven. Wer in die Fotografie einsteigen will, für den ist die Frage nach dem geeigneten Objektiv kaum weniger wichtig, als die Frage nach der optimalen Kamera. Gute Objektive kosten gutes Geld und da nur wenige Fotografen über unbeschränkte Budgets für die Fotoausrüstung verfügen, sollte die Wahl der Objektive wohl überlegt sein.

Basisobjektiv | Wer zum ersten Mal eine Spiegelreflexkamera kauft wird wahrscheinlich zu einem Set greifen, bei dem die Kamera mit dem Objektiv gebündelt ist – ein sogenanntes Kit. Solche Sets haben den Vorteil, dass sie weniger kosten als würde man Gehäuse und Objektiv einzeln kaufen. Teilweise sind diese Pakete oberflächlich betrachtet sehr verlockend geschnürt. Ich kann allerdings nur den Tipp geben eine Fotoausrüstung nicht mit dem Sparstift zu kalkulieren. Die zentrale Frage sollte nicht sein »was kostet es« sondern »was brauche ich«. Ein Schnäppchen kann sich sehr schnell als Fehlgriff erweisen, wenn das günstige Objektiv für die Motive des Fotografen tendenziell ungeeignet ist.

Wer eine Kamera kauft, achtet dabei in der Regel auch auf den Preis – besonders, wenn es um die erste Kamera geht. Um im Preiskampf bestehen zu können und ihre Geräte an den Kunden zu bringen, bieten die Hersteller verständlicherweise immer ein möglichst preiswertes Paket an. Bei Canon und Nikon steckt bei den günstigeren Geräten meist ein 18–55mm Objektiv im Paket.

Nikkor 18 55 Nikon bündelt seine Einsteiger-Kameras in der Regel mit diesem 18–55mm Objektiv. Übersetzt auf Kleinbild ergibt sich daraus ein Brennweitenbereich von 27–83mm (Bild: nikon.de).
Canon18 55 Canon bündelt mit einem Objektiv mit gleichem Brennweitenbereich. Mit dem Formatfaktor 1,6 ergibt sich daraus etwa 29–88mm (siehe auch ›Formatfaktor‹; Foto: canon.de).

Standardzooms decken in der Regel einen Brennweitenbereich zwischen 24mm und 70mm (KB) ab.

Mein Tipp an Neueinsteiger: Lieber Hundert Euro drauf zu legen und ein etwas flexibleres Basisobjektiv mit mehr Brennweite kaufen. Die meisten Fotografen werden mit einem 18–55mm bald darauf kommen, dass ihnen die etwa 85mm Kleinbildbrennweite dieser Standardzooms in vielen Situationen zu kurz ist.

Nikkor 18 105 Gibt es meist als etwas teureres Kit zu vielen Nikon-Kameras: 18–105mm. Mit der Kleinbildbrennweite von 27–158mm ist man für die meisten Situationen bereits bestens gerüstet (Bild: nikon.de).
EF S 18 135mm Wer bei Canon ein paar Euro mehr drauf legt erhält mit einem 18–135mm Objektiv eine noch flexiblere Lösung. Auf Kleinbild umgerechnet sind das 29–216mm – ein ganz schöner Brennweitenbereich der weit ins Tele hineinreicht (Foto: canon.de).

Basisobjektive mit mehr Brennweite |

Die meisten Hobbyfotografen dürften mit einem Standardzoom zwischen 27mm und 200mm Kleinbild bestens aufgestellt sein. Sowohl beim Fotografieren mit Freunden in der Freizeit, beim Sport, mit den Kindern, beim Bummeln in der Stadt oder beim Wandern findet man damit bestens sein Auslangen. Vergleichbare Objektive, zu den hier vorgestellten, sollte es bei jeder Marke geben.

Wer oft entfernte Motive groß abbilden will, der wünscht sich vielleicht noch etwas mehr Brennweite. Wer gerne Sport fotografiert, hat oft nicht die Möglichkeit bei Veranstaltungen ausreichend nah an seine Motive heranzukommen. Und auch wer es beim Wandern auf Murmeltiere, Rehe und Gämse abgesehen hat, ist selbst mit 200mm Kleinbild rasch an der Grenze.

DX 18 200 ED VR II Mein Begleiter auf Wanderungen: An der D80 habe ich in den Bergen meist den Vorgänger dieses Objektivs dabei, ein 18–200mm ƒ3.5–5.6. Übersetzt auf Kleinbild sind das 27–300mm und bietet eine große Flexibilität (Bild: nikon.de).
Sigma 18 200mm Noch mehr Tele-Reserven bietet das Sigma 18–250mm F3,5–6,3 DC OS HSM. Dieses Objektiv wird nicht nur für Nikon, sondern auch für andere Hersteller angeboten (Bild: Sigma Deutschland).

Festbrennweiten | Die bisher gezeigten Zoomobjektive richten sich an Einsteiger, Hobbyfotografen und Amateure. Sie sind bezahlbar, man muss aber Abstriche bei Lichtstärke und Qualität machen. Wer auch unter ungünstigen Lichtbedingungen noch fotografieren, bei der Qualität keine Abstriche machen und dafür kein Vermögen investieren will, der ist mit Festbrennweiten gut aufgestellt.

Af s nikkor 50mm f14g An Kleinbild-Kameras ein Normalobjektiv: AF-S Nikkor 50 mm 1:1,4G. An Kameras mit kleinerem APS-C-Sensor, also allen Nikon-Consumer-Geräten, wird es mit 75mm KB zum leichten Teleobjektiv (Bild: Nikon GmbH).

Der Klassiker unter den Standard-Festbrennweiten ist das 50mm Objektiv. Wer eine Kamera mit Kleinbildsensor hat ist damit als Standardobjektiv gut bedient. Aber bei den Consumer-Kameras mit kleineren Sensoren ergibt sich aus 50mm Brennweite der Bildausschnitt von 75mm bei Nikon, Pentax und Sony, 80mm bei Canon und 100mm bei Olympus und Pentax. Für immer-dabei ist dieser Blickwinkel schon sehr eng. Als Portätbrennweite hingegen sind 50mm am kleineren Sensor der genannten Marken absolut tauglich und empfehlenswert.

Nachtaufnahme Mit einer Lichtstarken Festbrennweite, wie dem 50mm ƒ1.4, fotografiert man selbst in der Nacht mit sehr wenig Licht noch aus freier Hand, vor allem wenn man eine Kamera hat, die zu wenig Rauschen neigt und hohe Empfindlichkeitseinstellungen erlaubt.
AF 50mm 1 8D 3 Wem 350 Euro für die oben abgebildete 50mm Festbrennweite zu viel ist, der findet im AF Nikkor50 mm 1:1,8 D eine preiswerte Alternative. Das Objektiv bildet allerdings erst etwa ab Blende ƒ4.0 richtig scharf. Bei Canon gibt es ein vergleichbares Angebot, mit einem lichtstärkeren Profi-50mm und einem sehr preiswerten 1.8-50mm (Bild: Nikon GmbH).
Nikon 35mm f1 Nikon 35mm ƒ1.8 Festbrennweiten-Objektiv. Klein, leicht, kompakt, preiswert und trotzdem sehr gute Abbildungsqualität. (Foto: nikon.de)

Das 35mm Objektiv oben war lange Zeit mein immer-dabei-Objektiv. An meiner D80 mit mittelgroßem APS-C-Sensor zeigt es den KB-Ausschnitt eines 50mm Objektivs und ist damit flexibel und fast schon universal einsetzbar. Ein echtes 50mm KB-Objektiv zeigt für Kameras mit kleineren Sensoren in der Regel einen zu engen Ausschnitt – 75mm bei Nikon, Sony und Pentax, 80mm bei Canon, 100m bei Olympus und Panasonic.

Doch auch mit einem Objektiv, das 50mm Kleinbild entspricht, ist man unterwegs in öffentlichen Gebäuden, in Städten und Gassen schnell einmal am Anschlag mit dem Bildausschnitt. Deshalb habe ich vor einiger Zeit das 35mm Objektiv durch eine 28mm Festbrennweite ersetzt. Es entspricht 42mm Kleinbild und ist damit noch näher an der klassischen Reportage- und Reisebrennweite von 35mm dran. Der Vorteil genau dieses Objektivs liegt auch darin, dass es sehr kompakt und leicht gebaut ist – ein nicht zu unterschätzender Vorteil, wenn man eine SLR mit Objektiv immer dabei haben möchte. Zoomobjektive sind da allesamt etwas Üppig in den Abmessungen.

Af 28mm Mein neuer immer-dabei-Begleiter: Das Nikkor 28mm 1:2,8 D. (Bild: © Nikon GmbH)

Interessant sind für Besitzer einer Canon, Nikon, Sony und Pentax Consumer-Kamera mit kleinerem Sensor auch Festbrennweiten mit 24mm, was an Nikon/Pentax/Sony 36mm ergibt und praktisch exakt den Reise- und Reportage-Klassiker 35mm trifft. Das oben abgebildete Sigma-Objektiv ist mit Anschluss für die meisten Kamerahersteller verfügbar. Sein Blickwinkel ist perfekt als permanenter Begleiter, leider ist es etwas groß und schwer im Vergleich zu Nikons oben genannter 28mm-Festbrennweite (und dem 24mm von Nikon). Dafür glänzt es mit ƒ1.8 aber mit besonders kräftiger Lichtstärke. Außerdem erlaubt es eine unheimlich kurze Naheinstellgrenze und lässt somit auch das Scharfstellen auf ganz kleine Motive zu.

Sigma24mm Lichtstarke Weitwinkel-Festbrennweite Sigma 24mm F1,8 EX DG Makro (Bild: Sigma Deutschland).
Wietiltshift
OK! Kein besonders beeindruckendes Foto. Es zeigt aber hervor­ragend, was Resultate des ­Sigma 24 mm F1,8 von ›gewöhnlichen‹ Objektiven abheben kann: Trotz nächster Nähe ist die Schärfen­tiefe enorm kurz. Vor den ­Büchern unscharf, unmittelbar dahinter auch. Hinter solch ­einem Resultat würde man eigentlich ein sogenanntes Tilt-Objektiv vermuten.

Weitwinkel | Obschon sich mit den weiter oben besprochenen Standardzooms im Weitwinkelbereich zwischen 18 und 24mm auch wunderschöne Landschaftsaufnahmen zu erzielen sind, bevorzugen Landschaftsfotografen kräftigere Weitwinkel. Über die Charakteristik von Weitwinkelobjektiven habe ich ja bereits im Artikel ›Brennweiten, Fluchtpunkt und Bilddynamik‹ geschrieben.

Mein bevorzugtes Weitwinkelobjektiv ist das AF-S Nikkor 14–24 mm1:2,8G ED. Leider schmerzt es zweifach: Zum Einen beim Herum­tragen wegen des Gewichts von einem Kilo, zum Anderen beim Einkaufen wegen des Straßenpreises von etwa 1500 Euro. Wer gerne etwas geringere Zahlen bei Preis und Gewicht anstrebt, für den stellt das Sigma 10–20 mm F4,0–5,6 eine Alternative dar.

Sigma10 20 Preiswerter und leichter Einstieg in die Welt des extremen Weit­winkels: Sigma 10–20 mm F4,0–5,6 EX DC / HSM (Bild: Sigma Deutschland).

Teleobjektiv | Als Einsteiger glaubt man meist man bauche vor allem ein Zoomobjektiv mit besonders viel Tele. Je mehr desto besser! Denn schließlich kann man damit weit entfernte Objekte ganz nah heranholen. Zumindest mir ging es lange Zeit so. Doch je länger meine Teles wurden und je mehr Erfahrung ich damit bekam, desto mehr musste ich einsehen, dass es gar nicht so einfach ist mit einem Teleobjektiv gute Fotos schießen zu können.

Das Problem: Je länger das Tele, desto mehr Geld kostet Lichtstärke. Während man bei Canon und Nikon 50mm Festbrennweiten mit Lichtstärke ƒ1.8 bereits ab etwa 100 Euro bekommt, sind bei Nikon Objektive über 100mm mit einer Lichtstärke von weniger als ƒ2 gar nicht zu bekommen. Für ein hochwertiges 200mm Objektiv mit Lichtstärke ƒ2 blättert man dafür aber schon an die 5000 Euro auf den Ladentisch. Dafür ist die Abbildungsqualität Boa! und Wow! Für ein lichtstarkes Profi-Objektiv mit einer Brennweite von 400mm darf man auch einmal 8000 Euro kalkulieren. Lichtstark heißt bei diesen Brennweiten übrigens ƒ4.0. Für Alle, die mit Lichtstärke noch nicht so durch sind: ƒ2 ist viermal lichtstärker als ƒ4, aber nur halb so lichtstark wie ƒ1.4.

Nun legen aber Profis, die sich ja auskennen sollten, nicht von ungefähr fünf, sechs oder acht Kilo auf den Ladentisch, wenn sie erwarten würden mit einem Zoomobjektiv mit 300 oder 400mm um unter Tausend Euro vergleichbare Ergebnisse zu erzielen.

Preiswertere Zoomobjektive weisen am langen Ende des Zoombereichs meist nur mehr eine Lichtstärke von etwas ƒ5.6 auf. ƒ5.6 ist halb so lichtstark wie ƒ4.0.

Genau hier steckt das Problem. Ihre Lichtstärke liegt in Bereichen von ƒ3.6 oder ƒ4 bis ƒ5.6.

Trägt ein Objektiv nur eine Blendenöffnung im Namen, wie zum Beispiel 70–200mm ƒ2.8, dann hat es am langen Ende der Brennweite dieselbe Lichtstärke wie am kurzen.

Trägt ein Objektiv zwei Lichtstärken im Namen, wie 70–300mm ƒ4,5–5,6, dann hat es am kurzen Ende die größere Lichtstärke von ƒ4.5 und am langen Ende die geringere von ƒ5.6.

Objektive mit durchgehender Lichtstärke sind anspruchsvoller in Konstruktion und Herstellung und somit ungleich teurer. Für ein 70–200mm mit durchgehender Lichtstärke ƒ2.8 blättert man sowohl bei Canon als auch bei Nikon etwa 2000 Euro hin.

Das Dumme an der Sache: Je länger die Brennweite, desto kürzer sollte die Belichtungszeit beim Fotografieren sein, damit man mit freier Hand ohne Verwackeln halten kann. Zwar bieten aktuelle Telezooms leistungsstarke Systeme für die Bildstabilisierung. Aber diese Systeme sind unter ambitionierten Fotografen nicht unumstritten und ich bin mir sicher, die meisten Profis würden ein lichtstarkes Objektiv ohne Bildstabilisierung einem lichtschwächeren Objektiv mit Stabilisierung vorziehen.

Bei langen Brennweiten braucht man kräftiges Umgebungslicht um selbst bei vollständig geöffneter Blende unverwackelt ablichten zu können. Bei diesigen Verhältnissen, in der Dämmerung oder gar in Wäldern geht da gar nichts ohne Stativ. Die kräftigsten Lichtverhältnisse hat man unter Tags wenn die Sonne vom unbewölkten Himmel scheint. Dann ist das Licht meist so stark, dass man auch mit den längsten Brennweiten noch ohne die Gefahr der Verwackelung aus freier Hand fotografieren kann. Nur sorgt das kräftige Sonnenlicht auch dafür, dass jede lichte Stelle überbelichtet und gleichzeitig jeder tiefere Schatten unterbelichtet ausfällt. Das Licht ist bei direkter Sonneneinstrahlung meist zu hart um attraktive Fotos aufnehmen zu können.

Anders gesagt: Ist das Licht ausreichend um mit sehr langen Brennweiten fotografieren zu können, ist es meist so hart, dass man keine schönen Ergebnisse mehr erzielen kann.

Ein weiteres Problem des Fotografierens auf große Distanz (hunderte oder tausende Meter) mit langen Brennweiten: Je größer die Entfernung, desto mehr mischen sich atmosphärische Störungen ins Bild. Die Resultate weisen matte Kontraste, flaue Farben und Blaustiche auf.

Wie bereits einmal erwähnt: Tele- und Super-Teleobjektive sind wichtig, wenn man Motive ablichten möchte, denen man sich nicht nähern kann. Aber sehr gute Resultate sind ohne Stativ und ohne optimale Licht- und atmosphärische Bedingungen kaum zu erzielen. Deshalb sollte der Hobbyfotograf die Bedeutung langer Telebrennweiten nicht überbewerten.

Zu Beginn steht natürlich die Frage »Was möchte ich fotografieren«. Wer auf Sportveranstaltungen fotografieren möchte, für den sind Teles meist unverzichtbar. Als Allrounder habe ich allerdings die meiste Zeit Objektive im Brennweitenbereich zwischen 20mm und 120mm im Einsatz. Diese Brennweiten sind bildgestalterisch einfach interessanter als längere Teles und darüber hinaus viel flexibler.

Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
Buch: 29,90; E-Book: 24,90
Weitere Informationen und Demokapitel auf der Website des Verlags;
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Ein Gedanke zu „1.8 Das Objektiv – zentrales Bindeglied zu guten Ergebnissen“

  1. Da ich mich mit der Materie überhaupt nicht auskenne ist es bei mir das 18-105 Kit-Objektiv geworden und ich bin sehr zufrieden damit. Liegt wohl auch daran, dass es meine erste DSLR ist. ^_^
    Einzig die fehlende Möglichkeit um Makroaufnahmen zu machen finde ich sehr schade, wird aber auch nicht in näherer Zukunft ausgemerzt. Ich will noch kein neues Objektiv kaufen, wenn ich mich noch nicht wirklich mit der Kamera befasst habe.
    Trotzdem vielen Dank für den Post… irgendwann werde ich es hoffentlich brauchen. ;-D

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