0.2. Drei Grundbestandteile der Fotografie

Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Fotografie setzt sich aus drei Grundbestandteilen zusammen, von der die fotografische Umsetzung ein Teil ist. Die drei Elemente sind:

  • Bildinhalt
  • Bildgestaltung
  • Technische Umsetzung
Fahnenmasten Aus dieser Perspektive ist kaum ersichtlich, dass Fahnenmasten abgebildet wurden. Der Bildinhalt des Fotos wirkt fast abstrakt und gibt Rätsel auf. Die Bildgestaltung wurde so gewählt, dass die beiden Leuchttürme im Hintergrund nicht von den Masten verdeckt sind. Die technische Umsetzung entspricht den Möglichkeiten der Canon Powershot G12 – man muss damit leben, dass das Objektiv in Weitwinkelstellung die Masten sichtbar verzerrt (verbiegt).

Ich werde mich hier vorrangig der Bildgestaltung und ihrer technischen Umsetzung widmen. Doch ich möchte auch einige Gedanken und Anregungen zum Bildinhalt los­werden.

Der Bildinhalt

Das Wichtigste für beachtenswerte Bilder ist in der Regel der Bildinhalt (Wenn ich des Öfteren von ›beachtenswert‹ und ›bemerkenswert‹ spreche, dann meine ich das im Sinn von ­Bildern, die es wert sind, dass man sie beachtet und sich merkt). Ein langweiliges Motiv wird auch perfekt komponiert und präzise umgesetzt kaum mehr als ein Gähnen ernten. Ist das Motivs selbst – der Bildinhalt – spannend, dann kann er auch begeistern wenn Umsetzung und Gestaltung zu wünschen übrig lassen.

Verhau Tolles Bild? Nicht wirklich! Die Bildgestaltung lässt zu wünschen übrig und die technische Um­setzung ist mehr Mau als Wow. Dennoch: Das Motiv ist witzig und vermag auch ohne handwerkliche ­Präzision Interesse zu Wecken. Schwarzweiß entwickelt könnte es vielleicht sogar richtig gut aussehen.

Darin liegt auch der Reiz der Lomographie. Dieser Begriff leitet sich von der Fotografie mit einer Kamera der ­russischen Firma Lomo ab. Eine Lomo besticht weniger durch präzise Abbildung als vielmehr durch ihre Macken, die Fotos eher zu einem Zufalls­produkt werden lassen als zu einer bewusst gestalteten und umgesetzten Inszenierung. So zufällig, wie die Ergebnisse ausfallen können, wird die Lomo auch angewendet. Oft wird gar nicht über den Sucher ein Motiv ins Auge gefasst sondern der Fotograf hält eher in Richtung der Szene und überlässt die Bildkomposition damit auch dem Zufall. Der Reiz dieser Form der Fotografie liegt gerade darin durch den Zufall alltägliche Szenen durch ungewöhnliche Umsetzung lebendig einzufangen. Fotografie mit Patina, irgendwie.

Quadcam iPhone App Der Reiz des Zufälligen und nicht Perfekten: Smart Phones gelten als die neuen Lomos. Es geht nicht um handwerkliche Präzision und ­perfekte Gestaltung, sondern ­darum alltägliche Szenen und ungewöhnliche Fundstücke in Form eigenwilliger – weil eben zu­fälliger – Perspektiven einzu­fangen. Dieses Motiv habe ich mit der iPhone App Quadcam aufgenommen, die nach dem Auslösen innert weniger Sekunden mehrere Bilder macht und den Anwender zu zufälligen Perspektiven zwingt.

Inszenierte und geplante Motive

Die Idee zu einem guten Bild entsteht oft im Kopf des Fotografen. Man organisiert dann alles Notwendige um diese Idee in die Tat umzusetzen. Zum Beispiel Requisiten, Leute, die sich als Modell beteiligen und Tiere, die in der Idee eine Rolle spielen. Man packt genau die Ausrüstung ein, die zur Umsetzung der Idee notwendig ist. Die Kamera, das richtige Objektiv, vielleicht ein Stativ und Blitze und Reflektoren. Damit begibt man sich an einen Ort an dem sich die Idee umsetzen lässt.

Inszeniert
Eine inszenierte Szene, die ich vor einigen Jahren mit Freunden und der Nikon D80 in Szene gesetzt habe. Mit am Set: Blitze, Stative, Reflektoren.

Vielleicht begibst du dich zu einer bestimmten Stunde an einen See um die typische Morgenstimmung an diesem Ort einzufangen. Eventuell stellt sich die Szene am ersten Tag nicht so ein wie du sie im Kopf hast. Dann kommst du an einem anderen Tag wieder und wartest neuerlich darauf, dass der Himmel sich so zeigt wie er sein soll. Und wenn es nicht klappt und du genügend Geduld hast (ich hätte es nicht) dann kehrst du wieder und wieder an den Ort zurück. Bis das Bild im Kasten ist.

Feldkirchinblauerstunde
Ein geplantes Motiv: Den Sonnenuntergang von diesem Aussichtspunkt hatte ich bei einer Übernachtung während einer Veranstaltung miterlebt. Dabei ist der Wunsch entstanden, die Szene zu fotografieren. Mit Kamera, passendem Objektiv und Stativ habe ich mich an einem anderen Tag vor Sonnenuntergang wieder an diesen Ort begeben, um dieses Bild einzufangen.

Die Bildidee kann auch sein, dass man ein bestimmtes Waldtier ablichten möchte. Man studiert zuerst in Büchern die Gewohnheiten der Gattung, erkundigt sich bei Förstern, wann, in welcher Region und zu welcher Zeit die besten Chancen bestehen das Tier anzutreffen. Und dann legt man sich auf die Lauer und wartet auf das Modell.

Fotosafaris und Fundstücke

Natürlich entstehen bemerkenswerte Bilder nicht nur durch sorgfältige Planung. Interessanten Fundstücken kann man auf Schritt und Tritt begegnen. Menschen in interessanten, lustigen oder berührenden Situationen können wir täglich beobachten. Es geht nur darum mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und im richtigen Moment den Auslöser zu drücken. Man muss sich aber aktiv darum bemühen, interessante Motive zu entdecken und ihnen gleichzeitig die Chance geben uns einfach zu passieren.

Fundstueck
Witzigen Fundstücken kann man jederzeit und überall begegnen, wie hier diesem aufgehängten Moped vor der Fassade eines Altwaren­händlers den ich ge­legentlich auf meinem Arbeitsweg passiere.

Die Fähigkeit zur Entwicklung kreativer Bildideen fällt den Meisten ebenso wenig in den Schoß wie von Geburt an mit sensiblen Fotografenaugen ausgestattet zu sein. Kreativität ist keine reine Gottesgabe sondern will geschult und geübt werden. Als Grafikdesigner lebe ich davon kreative Konzepte zu entwickeln. Allerdings wäre es eine Lüge zu behaupteten ich mir wäre diese Fähigkeit in die Wiege gelegt worden. Als Referent für Grafik und Gestaltung begegnen mir zwar Leute mit mehr und mit weniger Naturtalent. Jemand der mit Gestaltung beginnt und von Anfang an meisterliche Resultate liefert ist mir bisher aber nicht begegnet. Auch Fotografen, deren Bilder ihr heute bewundern mögt haben meist als Laien und von vorne begonnen. Sie sind erst durch Praxis und Erfahrung Meister geworden.

Dingmitgesicht Seit ich die Facebook-Seite ›Dinge mit Gesicht‹ kenne, halte ich meine Augen für Objekte mit Gesicht offen. Diesen Holzkopf hat meine Frau entdeckt.
Titel Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Kreativ fotografieren – Digitalfotografie verständlich erklärt«
Books on Demand, 1. Auflage Oktober 2011;
240 Seiten, in Farbe, Hardcover;
ISBN: 9783842373938;
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