Urheberrecht und -unrecht

Gestern hat mich der Kommentar eines Fotografen erreicht, dessen Foto ich im Blog gezeigt habe. Er hat sich beschwert, dass ich unter meinem Namen ein Foto von ihm zeige ohne seine Erlaubnis einzuholen. In einem freundlichen Mailwechsel konnten wir die Sache gütlich klären, doch es hat mich angeregt einmal mehr über Urheberrecht im Internet nachzudenken.

Zum Einen habe ich zwar immer auf die Quelle zurück verlinkt wenn ich ein Beispiel exzellenter Arbeit präsentierte aber ich muss gestehen, dass ich zu faul war auch den Namen des Fotografen mit anzuführen. Das habe ich jetzt geändert.

Ich habe bereits mit einigen Fotografen über ihre Meinung dazu gesprochen, was sie davon halten wenn ich ihre Fotos in meinem Blog zeige. Das Feedback ging durchgehend in die Richtung, dass sie sich darüber freuen wenn ich hier ihre Fotos zeige, solange ich zu ihnen zurück verlinke.

Das ist auch meine Einstellung dazu: Ich freue mich wenn jemand meine Arbeiten herzeigt solange er mich als Urheber kenntlich macht und meine Bilder nicht kostenlos verwendet um damit sein eigenes Geschäft anzukurbeln. Das heißt, wenn ein Verlag der mit seinen Publikationen Cash macht meine Bilder verwendet um den Einkauf kostenpflichtiger Agenturbilder oder Aufträge an Fotoreporter zu umgehen, dann halte ich das nicht für legitim. Noch viel verwerflicher finde ich es, wenn Werbeagenturen und Werbegrafiker Bilder klauen. Da ist es mit einer einfachen Quellenangabe oder Namensnennung nicht getan! Wer Geld mit den Werken Anderer verdient, sollte diese auch an seinem Gewinn beteiligen. Das ist nur fair.

Beunruhigend finde ich die derzeitige Praxis von Google Bücher ohne das Einholen der Rechte zu scannen und ins Internet zu stellen. Das edle Mäntelchen, das sich der Infomonopolist da umhängt, ist doch falsche Fassade, denn Google macht mit seinen Services enorme Kohle. Autoren sollen dann pro Buch mit ein paar Euro abgespeist werden und der GoogleKrake steckt die Millionen ein? Hm. :\

Noch geht es um Bücher, die nicht mehr erhältlich sind. Aber wie soll das weiter gehen, wenn der Trend zum geilen Geiz anhält. Glaubt ihr ich schreibe noch Bücher, wenn ich damit nichts mehr verdienen kann? Glaubt ihr Irgendjemand schreibt noch Irgendeinen anspruchsvollen hochwertigen Text, wenn er davon nicht mehr leben kann?

Zurück zum Thema Bilder, denn so einfach ist das Thema mit den Blogs noch nicht abgehakt. Zwar ist die Kohle, die ich mit GoogleAdds und AmazonLinks verdiene, so wenig, dass das nix mit einer kommerziellen Nutzung zu tun hat. Aber neben dem Spaß am Bloggen sehe ich das Weblog schon auch als Marketinginstrument und hoffe, dass ich damit Promotion für meinen Namen und meine Bücher machen kann. Also ist auch mein Blog ein bisschen kommerziell. Und das gilt für viele Blogs.

Zwar müsste ich den Blog wie er jetzt ist einstellen, wenn ich für jedes Beispiel eine Erlaubnis einholen müsste, ganz zu schweigen davon, dass ich keine Lizenzgebühren für Bilder die ich zeige abgeben könnte. Die Einkünfte aus den Büchern sind gerade groß genug das Schreiben eines neuen Buches wirtschaftlich so einigermaßen zu rechtfertigen. Aber vor diesem Hintergrund kann ich doch verstehen, dass nicht alle Fotografen oder Designer erbaut sind ihre Arbeiten in fremden Umfeldern zu finden – ob mit Quellenangabe oder ohne. Überhaupt ist es legitim, dass der Schöpfer eines Werkes nicht will, dass seine Arbeit auf einem Blog oder einer Site erscheint von der er nie etwas erfährt.

Natürlich unterstützt die Verbreitung von Arbeiten Kreativer in Blogs, auf Sites und in Communitys die Reputation ihrer Schöpfer. Das ist meine Sichtweise und die Sichtweise Vieler die ich kenne. Aber es ist auch legitim es anders zu sehen.

Wer ein Werk schafft hat in meinen Augen auch das Recht zu bestimmen was damit geschieht und was nicht damit geschehen darf. Die Mentalität Vieler zu glauben, sie hätten EIN RECHT auf Alles was andere im Schweiße ihres Angesichts erarbeiten und erschaffen und das Recht es sich auch so zu nehmen, wenn Sie den dafür verlangten Preis nicht bezahlen wollen, nicht können oder für zu hoch erachten, finde ich gelinde gesagt zum Kotzen. Schade, dass diese Mentalität längst zum Mainstream geworden ist und nur die wenigsten Leute ein Problem damit haben sich einfach zu nehmen, wonach ihnen gelüstet.

Ich will hier nicht als Ritter der Rechte ausbeuterischer Industrien auftreten. Wenn eine gierige Musikindustrie gewöhnliche Hausfrauen und Mütter zu Millionenklagen verdonnert und ihr Leben ruiniert, weil sich auf ihrer Festplatte ein paar illegal erworbene Musikstücke gefunden hat, dann ist das mehr zum Kotzen als man jemals essen kann – eine Industrie, die keine Skrupel hat mit minderwertiger Massenware die Taschengeldbörsen Minderjähriger zu plündern. Aber nur weil sich da eine Industrie und einige Multis auf übelste daneben benehmen, rechtfertigt das nicht, dass wir – du und ich – uns einfach überall bedienen dürfen und einfach nehmen wonach uns ist.

Ein kleiner Fotograf ist kein Plattenmulti. Ein kleine Softwareschmiede mit einer sauberen Shareware ist kein Adobe, kein Microsoft, kein Apple. Und ein Schriftdesigner schafft seine Schriften in der Regel aus einer Leidenschaft die finanziell nie vergolten wird.

Das sind nur so ein paar Gedanken zum Urheberrecht und ein Aufruf dazu, dass wir alle darüber nachdenken dürfen, wo die Produkte die uns Freude machen oder uns helfen einen Job zu erledigen her kommen, wer sie gemacht hat, was er dafür aufgewendet hat und, dass er wahrscheinlich auch davon leben können möchte.

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