Mein Verhältnis zum Akt ist äußerst gespalten. Einerseits bin ich ein Fan der weiblichen Anatomie und sehe gerne schöne Frauenkörper. Andererseits empfinde ich den Akt als Kunstform sowas von ausgelatscht und ausgelutscht. Es gibt so viel vom Selben. Als Kunstform finde ich das Portrait wesentlich vielschichtiger, berührender, faszinierender, aussagekräftiger und interessanter. In Gesichtern liegt viel Charakter. Ein schöner Körper ist im Grunde ein schöner Körper ist im Grunde ein schöner Körper.
Gerade weil ich eigentlich nicht besonders viel vom Akt als fotografischer Kunstform halte – ihr dürft mich jetzt prügeln – bin ich umso begeisterter, wenn ich Akte sehe, die aus der Masse herausstechen. Das ist hier einerseits der Fall, weil das Bild mit einer Struktur versehen ist. Liegt zwar schon lange im Trend, wird aber beim Akt nicht so oft angewendet. Andererseits ist die Inszenierung hier doch eher ungewöhnlich.
Der Körper ist recht trocken und nicht besonders stilisiert dargestellt. Das Licht dient hier weniger dazu den Körper zu formen, als vielmehr eine barocke Stimmung wie in einem alten Gemälde zu vermitteln und das ist gut gelungen. Die Accessoires in Form von Brot und Wasserkrug passen gut dazu.
Ein interessanter Akt.
Quelle: http://1x.com







October 31st, 2009 at 09:39
[...] wir grad beim Thema sind: Ganz anders als der letzte Akt über den ich berichtete, aber für mich auch sehr gelungen und anders als gewohnt. Die [...]
November 9th, 2009 at 19:40
Hallo Markus,
vor ca. einer Woche habe ich dieses Foto auf Deiner Seite gesehen und hatte auch sofort eine Meinung dazu. Nun ja, ich habe mir jedoch einem Kommentar verkniffen. Ich bin kein Fotograf und auch kein Kunstkenner. Was jedoch komisch ist, dass Foto ist mir nicht mehr aus dem Kopf gegangen.
Ich schreibe jetzt mal auf, warum ich dieses Foto so schlecht finde und warum ich nicht verstehe was daran nun so toll sein soll. Wie gesagt ich bin nur ein Laie der hier mal sagen kann was er auf diesem Foto sieht.
Ich sehe eine völlig abgemagerte (man sieht jede Rippe) Frau, die bei Wasser und Brot auf einer Pritsche in einem Kerker liegt und sich mit letzter Kraft nach dem Licht streckt, was wahrscheinlich durch ein vergittertes Fenster spärlich in den Raum fällt.
Was bitteschön ist denn daran “Der gute Akt”?
Ich war bislang immer der Auffassung, dass Kunst auch ein bisschen Spaß machen soll.
Viele Grüße
Bernd
November 9th, 2009 at 21:10
Also abgemagert sieht die gute Dame nicht aus. Schlank. Aber in so einer Stellung würdest du auch bei mir die Rippen zählen können, und ich bring jetzt gut 82kg auf die Waage.
Ob Kunst Spaß machen soll? Dann sind aber unzählige Denk- und Mahnmäler keine Kunst.
Das Bild ist fein inszeniert und gut technisch gut umgesetzt. Was der Fotograf damit sagen wollte? Ob er überhaupt etwas damit sagen wollte? Keine Ahnung. Aber ich finde es ansprechend. Nacktheit ist etwas Ursprüngliches und Reduziertes. So wie Wasser und Brot ursprünglich ist. Das Bild vermittelt für mich eine große Ruhe. Sicher sehe und empfinde ich auch die Assoziation eines Kerkers. Viel mehr sehe und spüre ich aber eine Ruhe die mich an Zen erinnert und ein Arrangement und eine Lichtführung die von klassischen Gemälden entlehnt scheint.
Die Ambivalenz zwischen Kerker und Zen, zwischen reduzierter Ursprünglichkeit und Armut, zwischen nacktem Frauenkörper und kalter Wand mag das Bild machen die Aufnahme gelungen und interessant und herausragend für mich. Aus dieser Masse an stets gleichen und vergleichbaren Akten.
Zumindest geht das Bild manchen nicht aus dem Kopf und andere können viel rein interpretieren.