Nicht nur im Hinblick auf die Beziehung mit der EU ist die Schweiz ein Sonderfall. Es ist auch einzigartig, dass in einem so kleinen Land so viele unterschiedliche Sprache gesprochen werden und es von den Grundsprachen Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätromanisch noch x-verschiedene Dialekte gibt. Ein Sonderfall in dieser Hinsicht bilden auch ein paar wenige Dörfer im Kanton Graubünden, welche schon im Vorschulalter dreisprachig unterwegs sind (rätromanisch, deutsch und italienisch) und das ohne Probleme!
Diese Sprachvielfalt hat aber auch seine Tücken, denn wenn man es versucht jedem recht zu machen, macht man es bekanntlich niemandem recht. So gibt es für ein simples Satzzeichen wie das Anführungszeichen fast so viele Varianten wie Sprachen. Es gibt zwar nationale Richtlinie die sagt welches Anführungszeichen jetzt verwendet werden soll nämlich die französischen Guillemts doch gibt es immer Aussnahmen. Sind beispielsweise Gesetztesartikel in französisch verfasst kommen auch die französischen Anführungs und Schlusszeichen zum Einsatz, allerdings wird nach dem eröffnenden Guillemets ein Leerzeichen eingefügt und vor dem schliessenden ebenfalls (« Beispiel »). Wenn das Recht im deutschen verfasst wird, so kann auf den Leerraum dazwischen verzichtet werden. Gemäss einer guten Bekannten, welche in Bern beim Bund arbeitet, soll beim Bund im Deutschen gar die „normalen“ Anführungszeichen Verwendung finden. Den KV-Lehrlingen im Kanton Bern soll es gar untersagt sein, die Guillemets zu verwenden! Die Richtigkeit der Aussage konnte ich bis jetzt noch nicht bestätigen lassen, wäre aber im Sonderfall Schweiz durchaus möglich. Denn oftmals gibt es zwar Normungen, doch mit dem sogenannten «Kantönligeist» werden diese oft durch eigene Regelungen wieder ausser Kraft gesetzt.
Haben es deshalb Typographen schwerer in der Schweiz, oder gibt es diese Umstände auch in Deutschland und Österreich?
Edit: Habe heute nochmals genauere Infos von meiner Bekannten in Bern erhalten. Gemäss ihr werden Gesetzestexte durch ein spezielles Workflowsystem gejagt und auf die jeweiligen Sprachausgaben angepasst. Französisch erhält wie oben beschrieben die Guillemets, die deutsche Fassung allerdings die Gänsefüsschen. Dies ist für die offziellen Papiere. Geseztestexte und Verfügungen welche über www.admin.ch abgerufen werden können, werden wieder mit Guillemets geschrieben. So stell ich mir die Hölle eines eitlen Typographen vor



March 25th, 2009 at 14:28
Herrlich, dieser Artikel. Ich bin 3sprachig (St.Moritz – deutsch, rätoromanisch und französisch… Witzigerweise eben nicht italienisch)
Während der Lehre wurde mir beigebracht, dass «dies die korrekten typografischen Anführungszeichen sind». «test?» «Klar», meinte XY…
p.s.
Die französischsprechenden Schweizer gehen noch durch ganz andere Höllen. Hier ein Beispiel aus der Wikipedia:
«Das Frühstück wird in der Schweiz wie in Belgien und in Québec als déjeuner und das Mittagessen als dîner bezeichnet, während die Standardvariante für ersteres petit déjeuner und für das zweite déjeuner vorschlägt. Das Abendessen, in Frankreich le dîner, wird le souper genannt». Souper habe ich noch nie gehört
Gruss Stefan