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Bastian Sick;
Geschlechtsneutral;
Schrift & Typografie;
Sprache
Geschlechtsneutral. Hässliches Wort. So wie: Nicht Fisch und nicht Fleisch. Irgendwie: Lau. Unisex? Androgyn gefällt mir besser. Da sind schon beide Geschlechtsteile mit drin, wie H C | Strache sagen würde. Aber Geschlechtsneutral klingt irgendwie nach gar kein Sex.
Ö1 berichtete gestern darüber. Als TypografIn schlägt man dann gerne die Hände über dem Kopf zusammen. Weil in der passenden Schrift schon einmal aus der TypografIn ein/eine (das?) Typografln wird (wenn der Satz jetzt keinen Sinn für euch ergibt, würde das heißen, dass er in eurem Browser nicht mit der von mir definierten Antiqua angezeigt wird, sondern mit einer Serifenlosen wie der Arial oder der Verdana. In diesen modernen (?) Schriften lässt sich das große Binnen-I nämlich kaum vom kleinen l unterscheiden. Lesbarkeitsfördernd ist das aber nicht.
Mir widerstreben diese beide Geschlechtsteile umfassenden (wie gesagt: © H C | Strache) Schreibweisen aber nicht nur als Typograf. Auch als Leser finde ich sie grässlich. Was lest ihr denn, wenn in einem Satz von TypografInnen vorkommen? Typografinnen. Eben. Ist es den Aufwand wirklich wert, wenn aus einer sprachlichen Vermännlichung eine sprachliche Verweiblichung wird? Schon klar, dass diese Entwicklung der deutschen Sprache patriarchalische Wurzeln haben. Aber was gewinnen wir, wenn wir die Vorzeichen umkehren?
Das Problem bei dieser Innen-Schreibweise ist, dass ich als Leser immer darüber stolpere. Man kann das nicht flüssig lesen. Die Schreibweise bremst den Lesefluss immer aus, weil wir uns entscheiden müssen, ob wir jetzt Typografinnen, Typografen oder Typografinnen und Typografen lesen. Beim stummen Lesen stolpert man dann einfach nur. Aber beim Vorlesen? Da müsst ihr euch für eine der Varianten entscheiden und da werden dann meist Typografinnen draus. Kann das das Ziel der Gleichberechtigung sein.
OK. Ich bin ein Mann. Eh klar, dass ich alter Macho so argumentiere. Wobei: Ich hatte bislang kein Problem meine politische Stimme einer Frau zu geben, mir sind Parteien mit einem hohen Frauenanteil sympathischer als Männerseilschaften (obschon ich für Qualifikation vor Quote bin) und ich kann der Schreibweise »Studierende« vor »Studenten und Studentinnen« und vor allem »StudentInnen« viel abgewinnen. Oder »Lehrkräfte« vor »Lehrer und Lehrerinnen« bzw. »Lehrerinnen«. Doch in langen Texten, Zeitungsberichten, Büchern, etc. wenn da immer von Politikern und Politikerinnen, von Lehrern und Lehrerinnen, von Typografen und Typografinnen, von Studenten und Studentinnen zu lesen ist, dann ist das äußerst mühsam. Kaum weniger Mühsam als von PolitikerInnen, LehrerInnen, TypografInnen und StudentInnen zu lesen. Ich ziehe da Politiker, Lehrer, Typografen und Studenten einfach vor.
Nebenbei hat Bastian Sick einmal geschrieben, er habe noch nie gelesen, dass jemand das Fehlen von Mörderinnen, Betrügerinnen und Gaunerinnen mukiert habe. Stimmt! Gibt es die etwa gar nicht? Zumindest wenn ich das schreibe, habe ich das Gefühl, dass die Worte nicht stimmen.
In Stelleninseraten kann ich der Sache etwas mehr abgewinnen, wenn man nach Typografinnen sucht. Ich behelfe mir dabei gerne mit dem hochstellen der in und innen. Obschon die Suche nach einer/einem Tyopgrafin neben dem eigentlichen Hauptwort auch noch den Artikel zum Problem macht. In einem Inserat mag es ein sparchlich wie typografisch notwendiges übel sein (wie gesagt: kein Problem mit den neutralen »Lehrkräften«, aber »Typokräfte« würde wohl niemand verstehen), um klar auszudrücken: Frauen sind ebenso willkommen, wie Männer. Ja das weglassen dieser beide Geschlechtsteile umfassenden Formulierung, könnte gar als »Frauen, nein danke« gedeutet werden. Aber ansonsten: Ich bin gegen diese Form der Geschlechtsumwandlung.




Oktober 15th, 2008 at 09:36
Stimmt. Eine der größten Seuchen der deutschen Sprache. Schlimmer noch als Deppenleerzeichen oder Apostrophities, weil auch richtig teuer. Bei uns in der Stadt wurden z.B. reihenweise Verkehrs(zusatz)schilder abmontiert und durch neuere ersetzt, weil z.B. der Begriff »Radfahrer absitzen« nicht geschlechtsneutral war. Heißt jetzt »RadfahrerInnen absitzen«.
Die geschlechtsneutrale Debatte hat dem Emanzipationsgedanken mehr Schaden zugefügt, als es Gutes gebracht hatte. Denn in jeder Diskussion kommt irgendwann einmal dann das Totschlagargument: »Ja, ja, euch ist ja nur das Binnen-I wichtig, das man so dringend braucht wie einen Kropf.« Oder so was Ähnliches. Und dann ist es mit der Diskussion auch schon wieder aus.
Oktober 17th, 2008 at 08:12
Da lob ich mir die Bundeswehr: Da heißt es immernoch Frau Stabsunteroffizier - beiden Ansprüchen genüge getan.
Oktober 17th, 2008 at 08:16
Politisch korrekt ist das beim Bund dann aber nicht, oder. Es muss doch heißen, GenerälInnen, OffizierInnen und Soldatinnen, oder?