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Trixy Freude;
Web 2.0;
Web Evaluation
Es hat jetzt ein paar Wochen Pause mit meiner Interview-Serie gegeben, weil ich selbst im Urlaub bzw. mit Arbeit übervoll war, und den Kollegen denen ich meine Fragen zugesandt habe, geht es offensichtlich ebenso. Nun aber ist mein fünftes Interview eingetroffen, und ihr könnt es hiermit nachlesen
Trixy Freude ist mir als angenehme, engagierte und aktive Forumsteilnehmerin bei Xing aufgefallen. Sie ist Gesellschafterin der 5gestalten GmbH in Stuttgart und bloggt unter anderem unter blog.5gestalten.de und bei webdesign-und-usability.de
Frage: Hallo Trixy. Kannst du kurz deinen Werdegang beschreiben – wie du zum Webdesign gekommen bist, welche Leidenschaft du damit verknüpfst und womit du heute im Wesentlichen dein Einkommen bestreitest?
Trixy: Ich kam so um 1995 rum zum Internet, das ja damals schon das wahre Web 2.0 war - viele haben ein bisschen rumgebastelt, sich Webseiten gebaut, HTML gelernt, diesen Traum vom Konsumenten zum Produzenten gelebt. Und wie so viele habe ich weitergebastelt, bin irgendwann vom Tabellendesign auf CSS umgestiegen und habe gemerkt, dass ich das leidlich genug kann, um das – nach meinem Studium als Informationsdesignerin – auch Kunden anzubieten. Heute liegt meine Leidenschaft aber eher bei der Web-Evaluation. Webseiten beurteilen kann ich nämlich doch noch besser als bauen
Frage: Gestaltung lebt im Spannungsfeld zwischen Kreativität und Funktionalität. Wo liegen bei dir die Prioritäten, und: Beinhaltet ein Gestaltungprozess für dich mehr Inspiration oder Transpiration?
Trixy: Ich bin keine klassische Gestalterin, aber ich habe durchaus viele Ideen, die ich auch mal skizziere, um sie dann von anderen umsetzen zu lassen. Kreativität und Funktionalität halten sich da die Waage, schließlich habe ich als Informationsdesignerin auch immer die Usability im Blick. Keine Frage, dieser ganze kreative Denkprozess ist anstrengend und nervenaufreibend, aber ich würde sagen: Eher Inspiration, Schweiß spielt weniger eine Rolle.
Frage: Wie gehst du ein Gestaltungsprojekt an? Wie kommst du zu kreativen Lösungen und was machst du, wenn sich die Inspiration einmal nicht bis zur Deadline einstellt?
Trixy: Das ist noch nie passiert. Im Gegenteil, gerade die Deadline befördert die Kreativität. Ich kann unter etwas Druck ganz gut arbeiten. Ansonsten versuche ich, mich in den Nutzer zu versetzen, zum Beispiel mit der Personas-Methode, bei der man quasi einen Stellvertreter der anvisierten Nutzerschaft personalisiert und für diesen Stellvertreter konzipiert und gestaltet. Oder ich gehe ganz strukturiert vor, mache mir Notizen, welche Dinge mit dem zu lösenden Problem am meisten zu tun haben könnten, welche anderen Dinge ähnlich sind und so weiter.
Frage: Welche Bedeutung hat Schrift und Typografie für deine Arbeit?
Trixy: Schrift und Typografie sind in jedem Bereich meiner Arbeit wichtig, sowohl in der Gestaltung selbst bei der Auswahl der passenden Schriften, als auch bei der Evaluation. Wenn Kunden wissen möchten, wie sie ihre Produkte verbessern können, erwähne ich immer, dass ein einheitliches Schriftbild, gut gewählte Schriftgrößen, Abstände und so weiter die Text-Verständlichkeit fördern.
Frage: Und welche Bedeutung haben Bilder für dich? Woher beziehst du sie in der Regel?
Trixy: Das ist manchmal ein schwieriges Thema. Die meisten Kunden möchten beispielsweise bei einem Relaunch ihrer Webseite mehr Bildmaterial haben, aber sie haben in der Regel keine Vorstellung davon, woher man diese Bilder bekommt, was das kostet, und dass man eigenes Bildmaterial auch möglichst professionell gestalten sollte und nicht einfach selbst mit der Digitalkamera mal eben seinen Kollegen vor dem Aktenberg fotografiert. Feste Bildagenturen habe ich nicht, aber wir haben Kontakte zu guten Fotografen, die wir dann auch gerne vermitteln.
Frage: Ich bin der Ansicht, dass das Thema »Corporate Design« (bei kleineren Unternehmen ein stringentes Erscheinungsbild) in der Ausbildung von Gestaltern recht stiefmütterlich behandelt wird. In der späteren Berufspraxis wird es dann oft vernachlässigt, nicht verstanden um nicht zu sagen: ignoriert. Natürlich verengt es den Rahmen, in dem Kreativität statt finden kann. Doch ein guter Gestalter sollte in der Lage sein, auch unter klar abgegrenzten Rahmenbedingungen gute Lösungen zu erarbeiten.
Wie stehst du zu diesem Thema?
Trixy: Es ist doch eine unheimlich spannende Aufgabe, ein komplettes, einheitliches Gestaltungsbild für ein Unternehmen zu entwerfen. Ich finde nicht, dass das die Kreativität behindert, und es gibt ja auch unglaublich viele tolle Beispiele für Corporate Designs. Für Informationsdesigner ist es vielleicht auch nicht ganz so schwer, mit CD und CI gut umzugehen; in unserer Ausbildung ist das Wort “Konsistenz” vermutlich das, was wir alle am häufigsten benutzen
Frage: Gibt es ein Buch für dich, von dem du sagst: »Das muss jeder Gestalter gelesen haben!«
Trixy: Eigentlich nicht. Viele dieser Bücher beschäftigen sich oberflächlich mit einer hübschen Optik, erklären aber kaum die Hintergründe. Ich denke aber, jeder Gestalter, gleich welches Medium er gestaltet, sollte ein gutes Buch über Farbgestaltung besitzen.
Frage: Hast du noch weitere Informationstipps? Zeitschriften? Websites? Blogs? Oder: Wie informierst du dich und was sind deine Lern- und Inspirationsquellen?
Trixy: Ich lese ganz gerne »A List Apart«. Ich verfolge auch diverse Blogs, aber meine Interessen sind da sehr vielfältig, es wäre schwer eins rauszugreifen.
Frage: Was würdest du Neueinsteigern raten, die Gestalter werden möchten: Wie wird man Gestalter und wie schafft man den Einstieg in die Branche?
Trixy:Ich finde es schwierig, von »dem Gestalter« an sich zu sprechen, weil heutzutage alles wahnsinnig spezialisiert ist. Ich denke, man muss sich klar werden, in welcher Richtung die Talente liegen. Ohne Talent wird es nicht völlig gehen, aber es ist auch wichtig, das Handwerk zu lernen. Als Quereinsteiger hat man es sicher auch als Gestalter heute nicht mehr ganz so leicht.
Frage: Gibt es sonst noch einen besonderen Rat oder Tipp, den du allen aufstrebenden Gestaltern mit auf den Weg geben möchtest?
Trixy: Kreativitätstechniken lernen und anwenden! Wenn einem nichts mehr einfällt, wirken Brainstorming, Mindmapping oder schlichtes Knetgummi Wunder.
Frage: Aus persönlichem Interesse: Ich bin über deine Aktivitäten im Internet auf dich aufmerksam geworden. Weshalb engagierst du dich auf diese Weise?
Trixy: Wissen vergrößert sich, wenn man es teilt. Und außerdem bin ich wohl irgendwie sehr mitteilungsbedürftig
Vielen, lieben Dank für das Interview, Trixy, und weiterhin ein gutes Händchen beim Evaluieren von Websites – wir User werden es brauchen können.
Anmerkung: Wenn ich mir die letzten vier Interviews anschaue, dann ist das Feedback mit einer Bewertung von ca. 1 nicht eben berauschend. Zwar ist es schwer aus ein bis drei abgegebenen Stimmen Rückschlüsse zu ziehen, aber wir kommen dennoch ins Grübeln ob das Thema vielleicht tatsächlich so am Interesse vorbeit geht. Also lasst uns wissen, wie euch unsere Interviews gefallen und vergebt ein bis drei ehrliche Sternchen hier unten.




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