Do, 03. Jul. 08

von Pascal

Eigentlich würde die Bezeichnung »Empfindlichkeit« völlig ausreichen, denn die Bezeichnung ISO ist lediglich die Abkürzung für »International Organization of Standardization« (Internationale Organisation für Standardisation). Da aber in der Geschicht der Fotografie diverse Organisationen für Normung (zum Beispiel DIN für Deutschland oder ASA für die U.S.A.) eigene Definitionen für die Filmempfindlichkeit geschaffen haben, hat sich die ISO Bezeichnung durchgesetzt.

Nun aber was bedeuted Empfindlichkeit in der Fotografie? Wie aus den ersten beiden Teilen über die Belichtungszeit und die Blende bereits klar wurde, dreht es sich in der Fotografie immer um das Licht. Die Empfindlichkeit bezieht sich auf das Aufnahmemedium (Film oder digitaler Sensor) und gibt Aufschluss darüber, wieviel Licht benötigt wird um die Photozelle zu aktivieren.

Dabei gilt, je höher die Empfindlichkeit, desto weniger Licht wird für eine korrekt belichtete Aufnahme benötigt.

In der analogen Fotografie, also mit einem Film, wurde die höhere Empfindlichkeit erreicht, indem man die chemische Beschichtung des Films veränderte. Die Photozelle reagiert einfach viel schneller auf Licht als bei einem Standardfilm. In der digitalen Technik haben wir keinen Film mehr den wir wechseln könnten. Trotzdem lässt sich die Empfindlichkeit einstellen. Der technische Vorgang, wie diese erhöhte Empfindlichkeit erreicht wird ist ziemlich komplex. Ich möchte euch aber die Empfindlichkeit wieder anhand einer Metapher erklären.

Gut lässt sich das an einem Malerbeispiel aufzeigen. Wahrscheinlich hat jeder von euch schon mal eine Wand mit Dispersion oder einer Farbe gestrichen und hat dafür einen Roller verwendet. Nun hat man mehrere Möglichkeiten so eine Wand zu streichen. Entweder man nimmt sehr viel Farbe auf den Roller und färbt so die Wand unter einmal ein. Oder die andere Variante ist die, dass man nur wenig Farbe auf den Roller nimmt und die Farbe in mehreren Schichten aufträgt. Dabei hat die Wand nach dem ersten Anstrich noch nicht die gewünschte Farbe angenommen da sie noch zu wenig deckt.
Dieses »nicht decken« der Farbe kann mit einer unterbelichteten Aufnahme verglichen werden. Es wurde einfach noch nicht genügend Licht »aufgetragen«, für ein korrekt belichtetetes Bild. In der digitalen Fotografie haben wir nun aber die Möglichkeit, dieses »nicht decken« digital zu umgehen über eine Signalverstärung. Dabei werden die einzelnen Zellen schon mit weniger Licht angeregt und über die Verstärkung so aufbereitet, dass sie als richtig belichtet dargestellt werden können.

Allerdings hat man das Problem, dass ähnliche Probleme auftreten wie bei einem Tonträger. Wenn schwache Signale digital oder auch analog Verstärkt werden, ist dies immer mit einem Qualitätsverlust verbunden. Bei einer Kassette oder Schallplatte spricht man dann vom sogenannten »Rauschen«. Auch bei der Fotografie wird dieser Begriff verwendet, denn das »Rauschen« nimmt mit erhöhter Empfindlichkeit, sprich erhöhter Signalverstärkung, immer mehr zu.

Deshalb gilt: Je höher die Empfindlichkeit eingestellt ist, desto schlechter wird die Bildqualtität. Das Bildrauschen nimmt zu. Man spricht hier dann auch von der sogenannten Körnung.

Brautstraussenwurf

Bei dieser Aufnahme habe ich mit ISO 800 gearbeitet. Bei normaler Betrachtungsgrösse ist die Körnung kaum zu erkennen.

Erst bei einer Vergrösserung von 1:1 (der linken unteren Bildecke) sind die Körner ganz klar auszumachen.

Die erhöhte Filmempfindlichkeit wird vorallem eingesetzt, wenn kein Stativ zur Hand ist und die Aufnahme von Hand gemacht werden muss. Damit wir bei schlechten Lichtverhältnissen noch einigermassen scharfe Aufnahmen bekommen, ist die Erhöhung der Empfindlichkeit oftmals die einzige Möglichkeit.

Denn eine Verdoppelung der Empfindlichkeit halbiert die Belichtungszeit.

Generell gilt, dass die Kamera immer auf den kleinsten ISO Wert eingestellt werden soll. Bei den meisten ist dies der Wert 100. Bei modernen Spiegelreflexkameras kann der ISO Wert in den Bereichen 100-1600 (oder noch höher) eingestellt werden. Die Empfindlichkeit wird dabei immer verdoppelt, also ergeben sich daraus die Werte 100, 200, 400, 800, 1600, 3200,etc. Je nach Kamera kann zur Zeit bis ISO 400 oder 800 noch von einer akzeptablen Bildqualität gesprochen werden. Die Werte werden auch laufend verbessert, so dass bei professionellen Kameras auch ISO-Werte von 1600 und 3200 noch zu guten Ergebnissen führen.

Als kleine Eselsbrücke, vergesst einfach die letzten zwei Nullen des ISO-Wertes. ISO 200 bedeuted eine Halbierung der Belichtungszeit, also Belichtungszeit/2, ISO 400 = Belichtungszeit/4, etc..

Die ISO Empfindlichkeit kann auch gezielt als Gestaltungsmittel eingesetzt werden. Die Körnung im unscharfen Bildbereich wird manchmal eingesetzt um dem Bild noch mehr Charakter zu verleihen. Vorwiegend allerdings in der Schwarzweiss Fotografie. Es empfiehlt sich aber in den Anfängen, den ISO Wert so niedrig wie möglich zu halten.

One Response to “ISO–Empfindlichkeit – Etwas sensibler bitte!”

  1. 4Avatars v0.3.1 v0.3.1 Markus Says:

    Hah! Jetzt schreibe ich einmal einen Kommentar in mein eigenes Weblog. Cool! :-D
    ISO-Werte bis 800 gehen bei meiner D80 noch relativ gut. Erst durch eine unglückliche Kombination aus ISO, Belichtungszeit und dunklen Bereichen im Bild ergeben sich wirklich hässliche Rauschsuppen.
    Lange Belichtungszeiten sind bei digitalen Kameras nach wie vor ein Problem. Ich kann auch bei ISO100 meine Kamera auf ein Stativ stellen, und ein dunkles Motiv anstatt mit einer höheren ISO-Zahl, mit einer langen Belichtungszeit aufnehmen. Ob das Rauschen mit höherer ISO weniger ist, anstatt mit längerer Belichtungszeit wäre einmal interessant zu testen.
    Film konnte das im übrigen besser: Da gab es einfach das Korn des Filmmaterials, das war bei einem ISO100-Film sehr klein, und das wurde – soweit ich darüber Bescheid weiß – auch nach stundenlanger Belichtung nicht aufdringlicher, als bei einer Millisekunde. Deshalb sollte für echte Langzeitbelichtung analoge Fotografie nach wie vor bessere Ergebnisse liefern, als jede digitale Kamera.
    Bleibt die Belichtungszeit im Rahmen des von Hand haltbaren und befinden sich im Bild keine großen, dunklen Flächen, dann sollten ISO400 und auch ISO800 mit kein zu dramatisches Problem darstellen.
    Interessant sind für mich in diesem Zusammenhang nun die neuesten Kameras aus dem Hause Nikon: Die D3 soll laut vielen Quellen in der Lage sein, bei ISO6400 praktisch rauschfrei zu belichten. Die eben angekündigte D700 soll den selben Sensor haben, und könnte damit diesen Luxus auch in die semiprofessionelle Klasse übertragen. Wenn alles gut geht, haben wir ja bald Zeit, das zu testen.

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