Am 6., 13. und 15. Oktober des vergangenen Jahres, habe ich drei Artikel über seltsame Vorgänge bei Amazon veröffentlicht. Mein Training zu Adobe InDesign wurde in Rezensionen bei Amazon ganz offensichtlich diskreditiert, bis sämtliche Kundenrezensionen durch Amazon entfernt und der Artikel für Lesermeinungen gesperrt wurde. In wie fern diese Verunglimpfung des Trainings dem Absatz geschadet haben, lässt sich wohl schwer sagen – in der Abrechnung des Erlöses des Verkaufs ist aber sehr deutlich aufgefallen, dass der Absatz in den ersten Monaten vor den getürkten Rezensionen bei Amazon, deutlich besser waren.
Allerdings bin ich kein Einzelfall. Viele Publikationen, gerade im EDV-Bereich scheinen Opfer solcher Verunglimpfungs-Attacken zu werden. Schade. Denn im Grunde wäre es eine feine Sache, wenn Konsumenten Ihre Erfahrungen mit Produkten in öffentlichen Foren kund tun könnten.
Eine interessante Wendung in der Angelegenheit ist, dass die Brut, die diese seltsame Form des Marketings betreibt, nun dazu übergegangen ist, ihre Mitbewerber nicht mehr durch Negativ-Rezensionen zu verunglimpfen, sondern mit auffällig positiven Texten. Bei meinem aktuellen Buch zu Adobe Photoshop finden sich derzeit zwei Rezensionen deren Inhalt einfach aus der Beschreibung des Verlags heraus kopiert wurden.
Dem aufmerksamen Leser und Amazon-Kunden, fällt der faule Trick natürlich auf – allerdings wird dadurch suggeriert, dass es wohl der Autor, oder der Verlag sein muss, der dadurch seinen Ab- und Umsatz verbessern will. Ganz offensichtlich soll mit diesen Methoden der Ruf der Macher hinter den Büchern geschädigt werden. Wem das letzten Endes nutzen soll, bleibt mir schleierhaft.
Es scheint sich mittlerweile herausgestellt zu haben, dass ein einziges Autoren-Duo hinter der massiven Kampagne gegen Publikationen im Bereich Design und Computing steckt. Der Verdacht muss immerhin konkret genug sein, um Amazon zu veranlassen, deren Werke aus den virtuellen Regalen zu nehmen.
Mehr darüber lässt sich in einem Artikel von Galileo-Design lesen.
Bedauerlicherweise scheint die Rechnung der Strategie, zumindest kurzfristig, aufzugehen, denn Telepolis des angesehenen Heise-Portals hat einen Artikel veröffentlicht, indem das Technik-Portal den plumpen Fälschungen offensichtlich auf den Leim geht, und Autoren wie Verlage der Fälschung der Rezensionen verdächtigt. Für mich persönlich ist es dermaßen absurd, dieser Manipulation verdächtigt zu werden, dass ich noch nicht einmal schockiert bin, sondern einfach nur den Kopf über die Angelegenheit schütteln kann. Ebenso wenig, wie ich selbst hinter den gefälschten Rezensionen stehe, kann ich mir vorstellen, dass mein Verlag sich solcher Mittel bedienen könnte.
Ralf Kaulisch von Galileo-Press hat mittlerweile eine Gegendarstellung als Kommentar zum Heise-Artikel geschrieben, der – als Ergänzung zum Artikel auf der Galileo-Website – lesenswert ist. Auch die Kommentare der Galileo-Autoren Markus Glaser und Anja Ebersbach sind lesenswert. Sie ergänzen den Heise-Artikel und ergänzen ihn um das, was dessen Autor offensichtlich nicht für notwendig fand: Auch einmal bei den betroffenen nachzufragen, anstatt sich aus dem oberflächlichen Schein eine offensichtliche Geschichte zusammenzureimen.
Wer schon länger mein Weblog verfolgt, hat vielleicht die drei Artikel über die negativen Bewertungen im Oktober mitverfolgt. Ich kann im übrigen durch einen Mailwechsel mit meiner Lektorin vom 16.1. – also zehn Tage vor dem Telepolis – mit meiner Lektorin belegen, dass Galileo und die Autoren schon längst mit dem Problem beschäftigt sind, und sich Galileo redlich bemüht, auch gefälschte positive Rezensionen entfernen zu lassen wo sie auffallen. Also lieber Herr Peter Riedler: Erst recherchieren, dann denken und dann erst schreiben.





February 10th, 2008 at 14:34
So etwas ist eine Sauerei. Ich drücke die Daumen, dass sich die Sache aufklärt, wer dahinter steckt. Hoffentlich wird das Rezensionen-System mal überarbeitet bei amazon.
February 11th, 2008 at 12:42
http://www.golem.de/0802/57590.html -> Amazon.de ändert Bedingungen für Kundenrezensionen