Thu, 31. Jan. 08

Ueberschriften

Gerade lese ich ein Buch. Sein Inhalt ist kein Thema für mein Weblog, wohl aber die Gestaltung der Überschriften.

Überschriften in Büchern haben meistens verschiedene Ebenen. In wissenschaftlichen bzw. Fachbüchern wird die Ebene der Überschrift innerhalb der Inhaltsstruktur oft mit Zahlen angegeben:

1. Überschrift

1.1 Überschrift

1.2 Überschrift

1.2.1 Und so weiter

In solchen Fällen, ist eine zusätzliche, grafische Unterscheidung der Überschriftenebene nicht notwendig, wenn nicht gar kontraproduktiv. Verzichtet man auf eine Nummerierung, dann sollte die Wertigkeit der Überschrift in der Überschriftenhirarchie mit typografischen Mitteln deutlich hervorgehoben werden.

In besagtem Buch wurden zwei Überschriftenebenen wie es sich gehört, durch unterschiedliche Gestaltung grafisch eindeutig getrennt, nur wurden die Attribute für die Gestaltung dieser beiden Überschriftenebenen so gewählt, dass unklar blieb, welche Überschrift weiter oben in der Hierarchie steht – welche also eine Unterüberschrift der anderen ist.

Die eine Überschrift wurde zwar mit einer Fetten, anstatt der leichteren Kursiven gesetzt, dafür wurde Letztere um so Vieles größer gesetzt, dass sich optisch ein Gleichstand der Gewichtung ergab (siehe das mit Blindtext nachgesetzte Beispiel oben). Mir blieb bis am Ende unklar, welche Variante denn nun der anderen übergeordnet war.

In diesem Fall war es zwar für das Verständnis des Buches nicht von Bedeutung, und hat lediglich mich als Typograf etwas irritiert, aber der Gestalter des Werkes sollte sich die Frage gefallen lassen, weshalb er zwei Überschriften unterschiedlich auszeichnet, wenn unklar ist, was die Auszeichnung aussagen will.

Ein paar Tipps zur Gestaltung von Überschriften und Überschriftenebenen:

  1. Die Überschriftenhierarchie sollte aus der Gestaltung klar hervorgehen; der Unterschied zwischen 11 Punkt und 12 Punkt ist unklar und wird wohl von kaum einem Leser überhaupt wahrgenommen, also deutliche und auf den ersten Blick erkennbare Unterschiede wählen;
  2. Andererseits ist es unnötig, die Betonung zu übertreiben: Eine übergeordnete Überschrift muss nicht größer, fetter, bunter, in Versalien UND einer anderen Schrift sein – oft reicht schon ein deutlich verändertes Attribut (z.B. einfach nur deutlich größer), um das höhere Gewicht zum Ausdruck zu bringen;
  3. Es spricht nichts dagegen eine Zwischenüberschrift in einer fetten, und die Hauptüberschrift in einer ganz leichten Schrift zu setzen, wenn die übergeordnete so viel größer ist, dass die größere Bedeutung klar hervorkommt;
  4. Überschriften niemals im Blocksatz setzen;
  5. Trennungen in Überschriften nur, wo notwendig;
  6. Überschriften optisch, wie inhaltlich schön umbrechen.

8 Responses to “Was wiegt eine Überschrift?”

  1. 4Avatars v0.3.1 v0.3.1 Rainer Says:

    Dem ist nichts hinzuzufügen.
    Außer: Kann man das nicht auf eine Holzlatte drucken und diese den Dilletanten täglich um die Ohren hauen?
    Und fürs Web: man zeichne eine Überschrift auch als solche HTML-gemäß aus.

  2. 4Avatars v0.3.1 v0.3.1 Markus Says:

    Yep. Dem ist nichts hinzuzufügen. :-)

  3. 4Avatars v0.3.1 v0.3.1 Ralph Says:

    @Rainer: Für das Web: Nicht nur die Überschriften per HTML ausweisen, sondern genau wie hier in dem Artikel “Was wiegt eine Überschrift?” beschrieben, strukturiert & optisch vorgehen.

    @Markus: Danke für die kurze aber prägnante Zusammenfassung, auch wenn dies eher auf den Print bezogen ist, gilt es doch im Web ähnlich.

    Ein schönes Wochenende aus Dresden wünschend

    Ralph

  4. 4Avatars v0.3.1 v0.3.1 kyio Says:

    interesantes thema, ich werde das in einer unserer nächsten listen mal umsetzten. danke für den artikel

  5. 4Avatars v0.3.1 v0.3.1 Dandie Says:

    Schade das du dir so viel Mühe gegeben hast, aber das sind mir zu oberflächliche Informationen. Ich habe mich echt gefreut als ich den Link bei pixelgraphix.de unter dem Motto “Tipps zur Gestaltung von Überschriften” gelesen habe und werde so maßlos enttäuscht. Das sind Tipps für Hobby-Designer.

    Zudem kann ich deine Tipps nicht ganz nachvollziehen denn Designer wie David Carson, Eikes GRafischer Hort oder Stefan Sagmeister halten gewisse Grundregeln der Typographie ein und arbeiten dennoch sehr unkonventionell. Man erkennt aber immer die Headline (dt. Überschrift) und die Subheadline (dt. Zwischen-/Unterüberschrift).

    Falls es einer wirklich mit Typographie und dem gestalten dieser ernsthaft betreiben will, dann sollte er sich lieber folgende Bücher anschauen:

    1. Detailtypografie: Nachschlagewerk für alle Fragen zu Schrift und Satz

    2. typographie von Otl Aicher von Schmidt (die Bible)

    3. Lesetypografie von Friedrich Forssman und Hans Peter Willberg von Schmidt

    4. ÜberSchrift von Erich Spiekermann

    und zu allerlestzt ein Buch über Gestaltungsraster, denn da kann die Überschrift noch so toll gestalttet sein, wenn man kein vernünftiges Raster konzipiert hat.

    5. Praxishandbuch Gestaltungsraster. Effizientes Arbeiten mit typografischen Rastern: Ordnung ist das halbe Lesen

    Greetz timro

  6. 4Avatars v0.3.1 v0.3.1 Markus Says:

    Hallo Timro,

    da fährst du ja kräftige Geschütze auf. Entschuldige bitte, dass es mir in einem ca. A4-Artikel nicht gelungen ist, die Inhaltliche Substanz von vier Standardwerken zusammen zu fassen. Was ich nicht ganz verstehe ist, was dich an meinem Artikel stört. Deine Kritik bleibt sehr schwammig. Kannst du die Kritikpunkte nicht auf konkrete Aussagen in meinem Artikel fokussieren?

    Deine Bibel habe ich, neben den vier anderen übrigens gelesen, und das war das Buch, das mich maßlos enttäuscht hat. Viel über Typografie stand ja in Aichers Typografie nicht zu lesen. Aber wenn Carson, Sagmeister und Aicher (die ich alle sehr schätze) für dich den Pont of View auf die Typografie darstellen, dann blicken wir wohl in entgegengesetzte Richtungen.

    Trotzdem vielen Dank für ein Feedback. Man darf die Dinge ja auch unterschiedlich betrachten. :-)

  7. 4Avatars v0.3.1 v0.3.1 Dandie Says:

    Hallo Markus.

    Du mußt dich für nix entschuldigen und deine Tipps und Ratschläge sind keineswegs falsch, dennoch sollte man solche oder andere komplexe Themen nicht so schmal abhandeln.
    Typografie ist eine schwieriges und weites Feld welches mich über mehrer Semester meines Studiums (Grafik Design) begleitet hat.
    Mag sein und das ist keineswegs etwas schlechtes wenn man verschiedene Ansichtspunkte, Auffassungen und Interpretationen was gute Typografie angeht besitzt. Ich layoute für ein Magazin regelmäßig Artikel und dort ist die Gewichtung, Positionierung und Darstellung immer in Abhängigkeit von Text, Bildmaterial und eventuellen Illustrationen.
    Ich will damit zum Ausdruck bringen, dass es gewisse typografische Regeln gibt, aber keineswegs ein nonplusultra oder allgemeingültige Lösung. Das ist mein Kritikpunkt an diesem Artikel. Vielleicht konnte ich dir meinen Standpunkt ein wenig näher bringen und etwas verständlicher.

    Greetz Timro

  8. 4Avatars v0.3.1 v0.3.1 Shelly Says:

    Grundregeln der Typographie ein und arbeiten dennoch sehr unkonventionell. Man erkennt aber immer die Headline (dt. Überschrift) und die Subheadline (dt. Zwischen-/Unterüberschrift).

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