Alles Verdana, oder was? Über Bildschirmschriften.

Die Verdana ist ja nun wirklich eine phantastische Schrift. Bildschirmschrift. Auch im Ausdruck mach sie eine durchaus passable Figur. Aber heißt das denn, dass sie uns mit ihrer stämmigen, etwas ungehobelten aber umso stabileren Statur von jedem Plakat her angrinsen muss?

Im Internet uns Screendesign sind wir auf sie angewiesen. Da gibt es wenig Alternativen: M$ Trebuchet, Tahoma und Georgia. Die Arial haben wir ja hoffentlich bald überstanden (was nicht heißen soll, dass die Arial schlecht ist, aber gut eben auch nicht).

Die Tahoma ist die schlanke Schwester der Verdana. Offensichtlich sind etwas üppigere Typen eher gefragt als die schmalen. Deshalb lebt die Tahoma auch ein weitgehend ruhiges und zurückgezogenes Leben. Sie gibt aber selbst neidlos zu, dass ihre Schwester besser lesbar ist — vor allem in kleineren Schriftgraden.

Die Trebuchet ist so rundlich, weiblich und lebendig wie es ihr Name assoziiert (finde ich jedenfalls) und auch irgendwie etwas eigenwillig. Wunderschön und bestens lesbar in kleinen Schriftgraden (am Bildschirm), mit einer überzeugenden, echten Kursive und falschen Gedankenstrichen. Darf man gerne für ›Homepages‹ verwenden, auf Papier jedoch, und vor allem in großen Schriftgraden, stellt sie doch eher eine Zumutung fürs Auge dar. Jedenfalls zeugt sie nicht unbedingt von ästhetischer Kompetenz des Grafikers der ein Logo damit gestaltet.

Die Georgia. Mein Gott! die Georgia. Ich habe mich in den letzten Monaten unsterblich in sie verliebt. Eingesetzt immer dort wo kompetente Designer Screendesign entwickeln, selten auf dilettantisch zusammengeschusterten — auf gut deutsch also ein seltenes Gewächs. Wollen hoffen, dass das so bleibt, dann verleidet Sie einem nicht zu schnell.

Einst war ich der Ansicht, dass Schriften ohne Serifen am Bildschirm grundsätzlich besser zu lesen sind. In den vergangenen Monaten der Arbeit mit der Georgia aber habe ich meine Meinung geändert. Sie erscheint mir die beste, am flüssigsten lesbare Bildschirmtype zu sein. Deshalb schreibe ich mittlerweile was ich rein für den Bildschirm schreibe in Georgia — und das ist nicht wenig.

Zurück zur Verdana. Wie gesagt sind wir am Bildschirm, beim Design von Websites und bei der Gestaltung von offenen Dokumenten (Word, Excel) auf die Hand voll Bildschirmschriften die verbreitet sind angewiesen. Aber wenn wir uns daran eh schon übersatt gesehen haben, müssen wir dann auch noch Werbung, Plakate und Folder mit ihr gestalten? Auch der beste Song wird öde wenn man ihn zum hundertsten mal hört. Es gibt doch tausende von Alternativschriften und nicht alle kosten ein Vermögen. Gerade vor wenigen Tagen habe ich mir die überzeugende ›Milibusfür eine Hand von Dollar gekauft.

Etwas mehr Kreativität bei der Auswahl von Schriften und dafür etwas weniger beim Verzerren und Verschandeln würde die visuelle Belastung der Umwelt drastisch reduzieren.

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