Richtig anführen

 

Noch ein Thema, welches in keinem Leitfaden zur Typografie fehlen darf: die richtigen Anführungszeichen.

 

In den Jahren der Schreibmaschine gab es eine Art von Anführungszeichen für den Haus- und Bürogebrauch und diese standen oben und gerade: „So“.

 

Genau genommen handelt es sich dabei gar nicht um Anführungszeichen, sondern um Zollzeichen ( Zoll “ und Fuß ‚ bzw. Minute ‚ und Sekunde “ ). Die Schreibmaschine bot einfach keinen Platz um die Fülle typografischer Zeichen die für korrekten Satz notwendig sind aufzunehmen.

 

Richtige Anführungszeichen waren Sache richtiger Typografen. Heute kann jeder richtigen Satz erstellen und im Schriftsatz am Computer sind Zollzeichen sowenig Anführungszeichen wie ein X ein U ist. Einem Laien der mal eben einen Brief ans Finanzamt oder ein Gedicht zu Tante Trudis 50er verfasst soll man falsche Zeichen nachsehen. Aber schon dem vom Herrn Sekretär verfassten Geschäftsbrief steht korrekte Typografie gut zu Gesicht. Ein Professioneller in Sachen Grafikdesign sollte die Grundlagen der Typografie ohnehin aus dem Effeff beherrschen.

 

Für die deutsche Sprache kommen zwei Arten von Anführungen in Frage: die sogenannten „Gänsefüßchen“ und die »französischen Anführungszeichen« – in der Fachwelt auch als ›Giullemets‹ bekannt.

 

Gänsefüßchen erfreuen sich landläufig und im Laiensatz großer Beliebtheit. Sie werden vorne unten und hinten oben gesetzt und sehen aus wie ›99‹ und ›66‹. Der Nachteil der Gänsefüßchen liegt darin, dass sie dazu neigen kleine Löcher in den Satz zu reissen – er sieht bei vielen Anführungen etwas aus wie Schweizer Käse.

 

Guillements stehen vorne und hinten auf gleicher Höhe – in Augenhöhe mit den Kleinbuchstaben, könnte man sagen. Sie wirken deshalb von Natur her etwas ausgeglichener. In Deutschland und Österreich zeigen die Guillements jeweils in Richtung des Satzes den sie an- und abführen, also zeigen Sie »vorne mit der Spitze nach rechts und hinten mit der Spitze nach links«. Die Schweizer orientieren sich an der französischen Art die Guillements zu verwenden und setzen sie umgekehrt wie die Deutschen.

 

Weil Typografen Schöngeister mit einem Hang zum Ausgeglichenen und Ästhetischen sind, ziehen sie die eleganteren Guillements den profanen Gänsefüßchen vor und sind sich dabei der Unterstützung des Dudens gewiss – er erlaubt Gänsefüßchen wie Guillements gleicher Maßen.

 

Ein Mauerblümchendasein fristen (leider) meist die einfachen ›Anführungszeichen‹ (oder ‚so‘ ). Der Duden weist ihnen gerade noch den Stellenwert einer Anführung in einer Anführung zu, wenn es also in einer wörtlichen Rede heißt »mein Typografielehrer hat gesagt ›Zollzeichen sind keine Anführungszeichen!‹«

 

Mir persönlich liegen Außenseiter und Underdogs wie Semikolons, Apple und eben einfache Anführungszeichen immer besonders am Herzen. Deshalb folge ich dem Beispiel jener Buchtypografen die sich die lauteren »normalen« Anführungen für die Wörtliche Rede vorbehalten und ›zitierte Überschriften‹, ›Titel‹ und ›Hervorhebungen‹ zwischen die weniger aufdringlichen einfachen Anführungszeichen setzen. Übrigens – wie schon am Beispiel der Schweiz und der Guillements sichtbar geworden ist: andere Länder andere Sitten. English qotes look like “this”.

 

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