Frisch gestrichen!

Kaum ein Buch oder eine Seite über Typografie kommt ohne dieses Thema aus. Dennoch sieht man ›falsche Striche‹ zuhauf und deshalb komme auch ich nicht umhin hier eine Lanze für den richtigen Strich zu brechen.

Der Typograf kennt waagrechte Striche in drei Längen: den kurzen Strich – auch Divis genannt –, den Halbgeviertstrich – besser bekannt als ›Gedankenstrich – und den Geviertstrich.

Das Divis

Das Divis ist der kürzeste der horizontalen Striche. Es ist jenes Zeichen, das Sie erhalten wenn Sie an Ihrer Tastatur die Taste mit dem horizontalen Strich drücken, ob Mac oder Windows: –

Das Divis kennt genau zwei Anwendungsformen:

1. Trennstrich

Als Trennstrich kennzeichnet das Divis die Trennung eines Wortes am Ende einer Zeile. Darüber hinaus kann der Trennstrich bei Aufzählungen innerhalb eines Satzes und einer Zeile auftauchen: z. B. Geviert-, Halbgeviert- und Unterstrich.

2. Bindestrich

Als Bindestrich koppelt das Divis zwei Worte, wie zum Beispiel bei Internet-Auftritt, PDF-Dokument oder E-Mail.

Gedankenstrich

Den Gedankenstrich erhalten Sie am Mac durch Eingabe von Alt und - und unter Windows über ASCII: 0150 (= Eingabe am Zehnerblock bei gedrückter Alt-Taste). Er kennt folgende Funktionen:

1. Gedankenstrich

Wenn Sie – wie hier – in einen Satz einen Gedanken einschieben wollen. Der Gedankenstrich wird im Deutschen mit je einem normalen Wortabstand davor und danach gesetzt. Der Gedankenstrich soll von Word unter Windows soweit ich gehört habe automatisch erkannt und ein eingegebenes Divis durch den längeren Strich ersetzt werden. Da ich sehr oft Word-Dokumente mit falschen – meist zu kurzen – Gedankenstrichen erhalte, gehe ich davon aus, dass Word diesen Job mehr schlecht denn recht erledigt. Vor allem der hintere der Beiden bei einem eingeschobenen Gedanken scheint dabei oft zu kurz zu kommen.

2. Streckenstrich

Den Gedankenstrich setzt man auch als Streckenstrich: Zürich–Innsbruck–Wien. Als Streckenstrich werden keine Leerzeichen davor und danach gesetzt.

3. Bis-Strich

Ebenfalls eingesetzt wird der Gedankenstrich als Bis-Strich, beispielsweise bei »von Montag–Freitag«, »von 21–23 Uhr«, »vom 13.11.–2.12.« oder »1997–2006. Der Bis-Strich wird in der Regel auch ohne Abstand gesetzt. Typografen die Wert auf Qualität legen setzen ihn dennoch mit einem verminderten Wortabstand. Bei längeren Daten sieht es meist besser aus wenn man die Regel bricht und normale Wortabstände versetzt: »13. November – 2. Dezember 2006«.

4. Gegen-Strich

Beispiel: »Halbfinale: Frankreich – Portugal«. Als Gegen-Strich wird der Gedankenstrich mit Leerraum gesetzt.

5. Minus

Auch als Minus-Strich ist einzig- und allein der Gedankenstrich der Richtige. Er hat die selbe Länge wie das + und wird somit sowohl für Rechnungen eingesetzt, wie auch für »–5 °C«.

6. Auslassungs-Strich

Außerdem können Sie den Gedankenstrich auch für die Angabe von Null-Cent-Beträgen im Mengentext verwenden, also Beispielsweise »Euro 150,–« anstatt »Euro 150,00«. In Tabellen ist jedoch der Geviertstrich vorzuziehen. Hässlich hingegen ist diese Variante: »150,–«, und sollte deshalb vermieden werden.

Gedankenstriche, InDesign und Windows

Wer Texte in InDesign auf dem PC setzt braucht auf korrekte Striche nicht zu verzichten: Adobe hat seinem Layoutprogramm die Mac-Tastenbefehle mit eingebaut – Sie können also die hier für den Mac angegebenen Tastaturbefehle anwenden. Ich bedanke mich bei Sebastian Nagel, der so freundlich war meine Angaben in diesem Artikel zu prüfen, zu berichtigen und zu ergänzen.

Geviertstrich

Von geringer Bedeutung für die deutsche Typografie ist der Geviertstrich. Er wird am Mac durch Alt, Shift und - eingegeben, am PC mit ASCII: 0151. Im Englischen ist dies der richtige Gedankenstrich und wird ohne Wortabstände davor und danach versetzt. Im Deutschen kommt er am häufigsten als Auslassungsstrich in Tabellen vor, da er ungefähr die Breite von zwei Nullen hat; also »Euro 150,—«

Grundsätzlich wäre es erlaubt für alle Vorkommen des Halbgeviertstriches stattdessen den Geviertstrich zu verwenden. Allerdings würde dies nicht den Sehgewohnheiten des deutschen Lesers entsprechen.

Nachzuschlagen sind die korrekten horizontalen Striche im Standardwerk für Typografen »Detailtypografie« oder weitestgehend unter »Richtlinien für den Schriftsatz« im »Duden«.

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